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Kairo, JE 37826

JE 37526
Standort: Ägyptisches Museum Kairo
Inv.-Nr. JE 37826
Bezeichnung des Stückes: Gruppenstatue des vp-m-onX mit Sohn vp-m-onX und Frau #w.t-jb

Herkunft:

Giza, Westfriedhof: Im Serdab a der Mastaba D 20 des vp-m-onX
Erwerbung: Fundteilung 1905
Material: Kalkstein, bemalt
Maße: H. 56 cm und Maße des Sockels nach Aufzeichnungen Steindorffs
Sockel
H. 59 cm nach Eaton-Krauss, Marianne, Pseudo-Groups, in: Kunst des Alten Reiches, p. 73, No. 28.

Datierung: Späte 5. Dynastie
Beschreibung:

Die Gruppenstatue weist starke Beschädigungen auf. Alle Köpfe waren abgeschlagen, fanden sich aber anbei im Sand. Ferner gibt es Abbrüche am linken Arm der äußeren Standfigur des vp-m-onX, am Sockel und an den Gesichtern. Der Farbauftrag ist an manchen Stellen großflächig abgerieben. Vor den Füßen der einzelnen Figuren der Gruppe stehen ihre Namen und Titel.
Die Ausführung der Statue ist von guter handwerklicher Arbeit, ist Vergleichbar mit der Dienerfigur einer Müllerin (Hildesheim, PM 19 aus dem gleichen Serdab) und hat die Bezeichnung "mediocre" auch im Vergleich zu den Kultkammerreliefs bei Eaton-Kraus, op.cit. 74. nicht verdient.

Erhaltungszustand: Das Objekt ist durch Fundteilung in das ÄM Kairo gelangt. Sein heutiger Erhaltungszustand ist unbekannt - dürfte aber nach der Beschreibung bei Eaton-Krauss, S. 73 dem Fundzustand entsprechen.
Darstellung und Text:

Die Gruppenstatue des vp-m-onX besteht aus drei vor einem auf Schulterhöhe endenden Rückenpfeiler stehenden Statuen. Sie zeigen von links nach rechts jeweils zwei mit dem linken Fuß vorgesetzt schreitende Männer mit dem Namen vp-m-onX und eine stehende Frau namens #w.t-jb.
Das Aussehen der beiden schreitenden Figuren des vp-m-onX ist ähnlich. Beide tragen die kurze Löckchenperücke, einen geknoteten Schurz mit Gürtel und Überschlag und einen mehrreihigen Halskragen. Die Hände werden zur Faust geballt lang am Körper herabgeführt. Die Ausarbeitung der einzelnen Muskelpartien am Brustkorb, den Armen und Beinen ist sehr sorgfältig und auch die Finger- und Zehennägel sind ausreliefiert.
Die daneben stehende Frau, die den beiden Männern nur bis zur Schulter reicht, steht mit geschlossenen Füßen rechts daneben. Auch sie führt ihre Arme entlang des Körpers und ihre flachen Hände liegen auf den Oberschenkeln auf. Sie trägt die schulterlange Strähnenperücke und das typische Trägerkleid sowie Arm- und Fußschmuck und einen Halskragen. Auch ihre Ausmodellierung ist sehr sorgfältig und fein und lässt sehr gut die Körperproportionen erkennen.

Vor den Füßen der drei Figuren stehen jeweils Namen und Titel:

Vor der Frau:
jry-X.t nzw #w.t-jb
Beauftragte für die Angelegenheiten des Königs, #w.t-jb.
(Zum Namen vgl. Ranke, PN I, 1,11 und zum Titel vgl. Jones, Index OK, 327,1206.)

Vor dem mittleren vp-m-onX:
jmy-r# Xtm.w pr-o# vp-m-onX
Vorsteher der Siegler des Hofes.
(Zum Namen vgl. Ranke, PN I, 380,2. und zum Titel vgl. Jones, Index OK, 196,734.)

Vor dem äußeren vp-m-onX:
jmy-r# st Xntj-S pr-o# vp-m-onX
Untervorsteher der Xnty(.w)-S-Pächter des Palastes.
(Zum Titel vgl. Jones, Index OK, 241,882 und Roth, Ann Macy, A Cemetery of Palace Attendants, Department of Ancient Egyptian, Nubian, and Near Eastern Art, Boston, Museum of Fine Arts, 1995 = Giza Mastabas, 6, p. 40ff.)


Kommentar:

Die Gruppenstatue des vp-m-onX wurde in Serdab a gefunden. Der Inhalt des Serdabs war bei der Auffindung schon nicht mehr in situ und auch nicht intakt. Die Statue lag auf der Rückenplatte und alle Köpfe waren abgeschlagen, fanden sich aber anbei im Sand liegend. Ferner wurden noch die Dienerfigur einer Müllerin (Hildesheim, PM 19) sowie die Reste von zwei weiteren Dienerfiguren (Kairo, Inv.-Nr. unbekannt) und drei Tontöpfe (Leipzig, ÄMU 2084, 2085 und Verbleib unbekannt) gefunden.

Es wird hier der alten Interpretation Steindorffs Folge geleistet, dass es sich bei der Gruppenstatue um Vater vp-m-onX mit seiner Frau #w.t-jb in Begleitung seines gleichnamigen Sohnes handelt. Dem ist auch nicht viel entgegenzusetzen, da in der Kultkammerdekoration ein gleichnamiger und vor allem auch mit Xnty(.w)-S-Pächter-Titel ausgestatteter Sohn belegt ist und #w.t-jb sowohl auf der Nord- als auch auf der Südwand als geliebte Frau des vp-m-onX bezeichnet wird. Will man die Personen nun zuweisen, wird hier der Vorschlag gemacht das Vater und Mutter nebeneinander stehen und der Sohn vp-m-onX außen folgt.

Technische Angaben:

Nach Steindorffs Angaben, waren die Farben gut erhalten.
Weiß: Trägerkleid und Schurz
Schwarz: Perücken, Basis, Rückenpfeiler
Gelb: Körper der Frau
Blau: Brustschmuck, Fußschmuck und Armbänder
Braun: Körper der Männer

Geschichte des Stückes: Die Gruppenstatue wurde am Sonntag, 26. März 1905 gefunden und kam am Montag, 24. April 1905 zur Fundteilung, in der sie dem Ägyptischem Museum Kairo zufiel. Inventarisiert wurde sie im Journal d'Entrée bereits im Folgejahr 1905 (Jd'E Band 7).
Zugehörige Objekte:

Funde aus Serdab a:
- Dienerfigur einer Müllerin (Hildesheim, PM 19)
- Kopf und Knie einer Dienerfigur (jeweils Kairo, Inv.-Nr. unbekannt und in den Unterlagen ohne weiterer Beschreibung geblieben)
- Drei Tontöpfe (Leipzig, ÄMU 2084, 2085 und uninventarisiert - jeweils Kriegsverlust)

zu den weiteren Objekten aus Mastaba D 20 vgl. den Grundeintrag zu D 20.

Bibliographie: - Eaton-Krauss, Marianne, Pseudo-Groups, in: Kunst des Alten Reiches, = Sonderschrift. Deutsches Archäologisches Institut Abteilung Kairo, 28, Mainz 1995, p. 57-74.
- Grimm, Alfred, Mastabas ... = MÄU, 2, S. 30f (erw.)
- Porter/Moss, Memphis III,1,2. Auflage, S. 109.
- Spiekermann, Antje & Kampp-Seyfried, Friederike. Giza: Ausgrabungen im Friedhof der Cheopspyramide von Georg Steindorff. (Kleine Schriften der Ägyptischen Museums der Universität Leipzig. 6.) Leipzig (Ägyptisches Museum), 2003, S. 27-39.
Literatur:  
Photos:
Archivalien:

Tgb. 1905 [Original pdf] [Abschrift pdf]

S. 103: werden gefunden (bei b)
S. 103

Beim Absuchen der Oberseite der Mastaba wird schließlich bei c. der eigentliche Serdâb des S. 103 gefunden. Die eine der Deckplatten war halb zerschlagen, der Serdâb daher voll Sand. Der Inhalt war nicht mehr in situ und nicht intakt. Mitten im Serdâb lag auf dem Rücken die Gruppe des S. 103 eines  gleichnamigen Sohnes und seiner Frau. Die Köpfe waren abgebrochen aber fanden sich im Sande. Die Gruppe

S. 104: ist ca. 50 cm hoch. Der Vater steht ganz links, der Sohn in der Mitte, die Mutter rechts. Die Titel lauten: S. 104 Die Männer tragen Löckchenfrisur und Schurze S. 104 . Farben gut erhalten. L. Arm des Vaters und Nase der Muter bestoßen [Kairo]. – Ferner wurde in den Serdâb eine zerbrochene, fein gearbeitete Kornreibende Frau gefunden (alle Stücke vorhanden) sowie der hübsch bemalte Kopf einer weiteren Dienerin und das Knie einer Dienerstatue (knieend, bemalt) [Kairo].  Endlich 3 rotgestrichene Thontöpfchen S. 104  [Leipzig]  mit schwarzem,  nilschlammähnlichem Inhalt. Am Nachmittag sammelt Möller Knochen, Dittmar vermisst. Abends sind wir beide bei Weckels zum Essen .- Starker Chamasîn den ganzen Tag über.

S. 146: Um ½ 3 ist St. im Museum u. macht mit Maspero die Teilung. Dem Museum fällt zu:
1) die grosse sitzende Statue des ZaSa (mit gescheitelter Perücke):
2) die sitzende langbeinige Figur des ZaSa.
3) Kksteinfigur der Frau des ZaSa
4) die Gruppe des Zezemonch.
5) „Kuchenbäcker“ aus d. Serdab
6) Schlächter des ZaSa
7) Gänsebrater
8) abgeschnittener Kopf KKstein
9) Relief des Ptah-n;
10) Serdabschlitz mit Figuren, aus demselben Grabe
11) 4 Kanopen au dem zuletzt ausgehobenen Bîr des Zezemonch
12) 1 Obelisk von D 37;
13) Modell eines Waschgefässes, 2

S. 147: Scheinkrüge mit Henkel S. 147 u. ein anderes Scheingefäss, aus dem Brunnen in d. Vorhalle von N (Fund von 1903). Ausserdem will M. Proben von Perlen haben. 6 Statuen die zerbrochen sind, sollen nach Deutschland ziehen u. ausgelaugt werden u. dann auf Grund der Photos zur Verteilung kommen. Von dem „Gürtel“ (ceinture), der 1903 gefunden ist, spreche ich in Gegenwart E. Brugsch’s zu M. Er wird nicht beansprucht. Die 2 im Frühling 1904 gefundenen Granitfiguren erhalte ich.
Vom Museum fährt Stdff. zu Pelizaeus u. Teilt mit ihm. P. erhält:
1) die sitzende Granitfigur von 1904;
2) die stehende Kksteinstatue des Mimi
3) die feine Kalksteinfigur des Zezemonch (s. 101);

S. 144) Müller aus dem Serdab
5) Bierbrauer des ZaSa
6) Müllerin aus d. Serdab des Zezemonch;
7) Gruppe der Pepi u. der beiden Schepsesre;
8) die zuerst gefundene Gruppe des Ehepaares u. der 2 Kinder
9) Thürsturz mit Reliefinschrift des
10) Mittelstück von der Scheintür des Chenu;
11) 2 Kanopen von den 4 im unteren Brunnen des Zezemonch gefundenen;
12) Alabasterne Kopfstütze
13) Opfertrog mit zerstörter Inschrift;
14) die Hälfte der Alabastersachen (mit Ausnahme der von Maspero genommenen)
aus dem Schacht in der Vorhalle von N.(1903)

 

Statuen 1905: [Original.pdf] [Abschrift.pdf]
S. 7
S. 7

S. 8
S. 8

 

Lageplan: Plan Hölscher 1903-1906
Junker, Giza IX, Plan II
Blaupausen Mastaba D 20
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